Profiteure eines Wulff-Rücktrittes

Wer sind die Profiteure eines Rücktrittes von Bundespräsident Christian Wulff?

Ja, diese Frage stellen sich, neben dem allgemeinen Medien- und Volksgehacke auf unserem Bundespräsidenten Wulff, doch mittlerweile schon einige hier im Lande. Bei allen Verfehlungen – von der moralisch bedenklichen Kreditannahme bis hin zur Dokumentation einer Kriegserklärung zur Unterbindung eines Berichtes auf die Mobilbox des BILD-CHefredakterus – die meiner Meinung nach unweigerlich zum Rücktritt führen müssen, sollte man diese Frage nach den Profiteuren dennoch einmal genauer hinterleuchten.

Also wer sind die wirklichen Profiteure eines möglichen Rücktrittes?

Bisher kamen für mich zwei Alternativen in Frage.

Zum einen wäre da eine politische Opposition in Deutschland, die bei der derzeitigen Krisenlage absolut keinen Angriffspunkt bei der Regierung Merkel finden kann. Es gibt in der momentanen Situation, in der wir prächtiger dastehen als man es erwarten könnte – ich bin auch überrascht – absolut nichts was man der Regierung Merkel vorwerfen könnte. Nicht mal der kleine Koalitionspartner bietet hier noch eine Angriffsfläche, da er sich konsequent und mit Hingabe aus der Riege der Ernstzunehmenden immer weiter verabschiedet. Bliebe Wulff, CDU-Kandidat, Mann von Merkels Gnaden. Wenn man nun liest wie oft ein Herr Gabriel momentan in dem oben genannten Sensationsinformationsblatt zu Wort kommen darf, fragt man sich doch wo er die letzten Monate untergetaucht war. Allerdings traue ich den roten Genossen einen solch perfiden Plan nicht wirklich zu.

Eine weitere Möglichkeit wäre da der Königsmord aus den eigenen Reihen. Wer diesen Artikel liest, weiß auf einmal mehr über die Meinung unseres Bundespräsidenten zu den momentan gehandelten Maßnahmen zur Bekämpfung der Schulden-, Euro- oder Bankenkrise. Bedenkt man nun, dass eventuelle Ratifizierungsgesetze zu EUro-Rettungsschirmen von genau diesem Bundespräsidenten unterschrieben werden müssen, könnte eine solche Meinung ein plötzlicher Dorn im Auge der Regierung Merkel geworden sein. Aber ehrlich gesagt hätte Frau Merkel wohl andere Wege gefunden Herrn Wulff zu einem Rückzug zu bewegen. Das Schicksal haben ja in der Vergangenheit schon einige Parteifreunde erleben müssen. Außerdem sägt man sich ja nicht eben mal ein Bein ab um dann mit einem klappernden und nervenden Holzbein weiter zu regieren.

1,8 Milliarden Gründe

Heute aber kommen mir dann neue Informationen über die Presse zugeflogen, die wiederum ein ganz anderen Ansatz auf die wirklichen Profiteure eines Präsidentenrücktrittes eröffnen. Eine Verbrüderung aus Banken, Versicherungen und Fonds – allesamt VW-Aktionäre – fordern eine Gesamtsumme von 1,8 Milliarden Euro Schadensersatz von Herrn Wulff, weil er als Ministerpräsident Niedersachens UND VW-Aufsichtsratmitglied bereits im Vorfeld von der damaligen Übernahme von VW durch Porsche gewusst und die Aktionäre nicht informiert haben soll. Wenn man nun das Klagevolumen von 1,8 Milliarden Euro betrachtet, so sind das doch 1,8 Milliarden gute Gründe für eine Klägergruppe den Bundespräsidenten aus seinem Amt und somit seiner Immunität zu hebeln … Auch wenn man von einer Einzelperson die eingeklagten Euros wohl nicht erwarten kann, so waren die Wut oder der Hass auf ehemalige Freunde in der Geschichte schon immer ein Grund Krieg zu führen. Zumal dieser “Kläger-Mob” wohl genügend finanzielle sowie gesellschaftlich relevante Mittel hat um eine solche Kampagne, wie sie grade läuft, loszutreten.

Es würde auch erklären warum der Bundespräsident so an seinem Amt klammert. Sollte dieses Amt allerdings nur noch als Schutzbunker vor strafrechtlichen Konsequenzen dienen, dann sehe ich das genau so.

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